…das wäre dann ein Versicherungsfall or in between times

8.5.2011 gentrification diaries

…meinte meine Nachbarin aus den nach der Wohnungsrenovierung im letzten jahr
neu angegebauten Luxuswohnungen des Seitenflügels. (jeweils 6 Zimmer, ca. 1600 € ca. / mtl., 11 € m², nach Immobiliescout)

Folgender Dialog ging dem voraus: (sie rief mich über den Balkon)
“Bei ihrer Balkonbegrenzung oder was auch immer das sein soll, (sie meinte den Bast aus Bambus) sehen sie, da scheint eine Strebe locker zu sein, denn sie sitzt etwas tiefer als die anderen, die könnte sich lösen und auf den NEUEN Sonnenschirm auf dem Balkon im ersten Obergeschoss treffen.
Das wäre dann ein Versicherungsfall”

Ich war sprachlos, prüfte jedoch wirklich, da mir nichts anderes einfiel den Bast, der alles andere als locker war, sich jedoch infolge der Wettereinwirkungen verzogen hatte, sah jedoch auch beim Herabschauen zu ersten Mal den mächtigen Sonnerschirm im 1.OG, der, selbst wenn mein Hund vom Balkon fallen würde, wahrscheinlich noch nicht mal eine kleine Schramme hätte.

Im Nebenhaus feierten meine Nachbarn auf der anderen Seite im unrenovierten Haus gerade “Gerüstparty”, weil infolge der begonnenen Renovierung es es jetzt erstmals dort einen “Balkon” gibt und sie tranken Sekt auf dem Gerüst. Sie laden mich ein mitzutrinken. Früher war das immer so. Jetzt bin ich völlig überrascht davon, weil so was so selten geworden ist.

Sie halten trotz der Renovierung die Stellung, fast das gesamte Hinterhaus. Respekt. Es ist die Hölle, während der Renovierung im Haus zu wohnen. Siehe die tollen Doku über die Lychenerstr. 61 gleich um die Ecke.

Ich habe das Angebot einer Umsetzwohnung während der Renovierung angenommen, bin zurückgezogen und bereue es nun.

Ich sitze auf meinem Balkon zwischen der alten Zeit und der Neuen und denke mir, wie surreal das alles ist.

Ich höre die Stimmen der Gäste der Yuppie Grillparty über mir, höre süddeutsche Stimmen und Gespräche über Baden Baden und Karlsuhe in einer Lautstärke, dass es auch jeder hören muss. Der Drang steigt bei mir, das lauteste und punkigste aufzulegen, was ich habe: Eine CD von Rage of Achilles fällt mir ein, die dem Leipziger PNG Magazin (r.i.p.) mal beilag und bei der man die hardcore beats schon nicht mehr hören kann, da sie so schnell gespielt sind dass es nur noch ein einziger Ton ist, den man hört.

Ich denk an meine arme schlafende Mitbewohnerin, steck die cd wieder zurück und verlass den Balkon und bin voller Agression.

Eine Frau lacht permanent so laut, dass meine Mitbewohnerin aufwacht. Ich denke es ist nicht nur die Laustärke sondern das arrogante, unsoziale Verhalten, das mich stört.

Kolonialherrenhaft.

Als ich vors Haus trete, sprechen die Party Gäste vor der Haustür gerade darüber, dass es bald eine Diskussion mit Volker Kauder gäbe und es doch interessant wäre, dort hinzugehen.

Volker Kauder und interessant????

The times they are a changing. Ich muss weg von hier. Bald.
Ansonsten gibt es noch einen Versicherungsfall.

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One Response to …das wäre dann ein Versicherungsfall or in between times

  1. jana says:

    oh mein gott, jochen. das ist wirklich grauenhaft. was sehen diese menschen um dich herum denn noch?
    ich bin schockiert.

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