Immobilienwirtschaftliche Inwertsetzung

Es ist traurig zu sehen, wie aus schönen alten Häusern mit Geschichte Luxuslofts werden – siehe Fotos vom Nachbarhaus, in dem bis vor 5 Jahren noch Szemen für Andreas Dresens Film “Sommer vorm Balkon” gedreht wurden, weil es so ein typisches Berliner Hinterhofhofhaus war – jetzt hat es die Atmosphäre eines Krankenhauses, siehe Bilder, alle Bäume wurden gefällt und 5 Zimmer Lofts für Superverdiener werden gebaut.

Bei Neuvermietungen gibt es Diskriminierungen, erzählen Makler von Bestechungsversuchen, Bewerbungen werden mit absurden willkürlichen Begründungen wie “Ihr Ausdruck der Schufaauskunft war nicht lesbar”, das hätten Sie doch sehen müssen” oder Ähnliches abgelehnt. Günstige Wohnungen sind nach einer halben Stunde im Internet nicht mehr verfügbar oder “reserviert”. Mit einem Hund traut man sich schon gar nicht mehr zu bewerben.

Kommt deshalb zur Demo gegen Getrification und Verdrängung heute, 16h. Kastanienallee / Eberswalder Str.

Infos zur Demo hier: http://wirbleibenalle.org/ :

“Gemeinsam gegen Sozialabbau, Verdrängung und den Ausverkauf der Stadt! – Für selbstbestimmte, selbstverwaltete, solidarische und unkommerzielle Räume!

“Berlin ist kalt geworden. An die Stelle sozialer und kultureller Freiräume ist die Verwertung der Stadt getreten. Fehlkalkulierte Groß- und Prestigeprojekte, Bebauungskampagnen für Mauerpark und Tempelhofer Feld, die Entscheidung für milliardenschwere Bankenrettungsschirme, Räumung von Hausprojekten mit Polizeigroßaufgeboten und Partybürgermeister mit grünen Schnappikrokodilen im Gesicht, für all dies scheint genug Platz in der „kreativen“ Metropole. Doch an die Stelle dessen was früher anerkanntes Grundbedürfnis war, tritt heute das „Produkt“ und was sich nicht rechnet oder ausreichend zahlt fliegt aus der „Kosten-Leistungs-Rechnung“ des Berliner Senats, dem Erfüllungsgehilfen neoliberaler Politik.

Fundamental in Frage gestellt sind Freiräume für Kinder, Jugendliche, SeniorInnen, für die „einfache“ Mieterin oder schlichtweg den unkommerziellen Alltag. Sie werden in einem Maße wegrationalisiert und verdrängt, welches den sozialen Zusammenhalt und den solidarischen Ausgleich gefährdet.

Gleichzeitig wird der ökonomische Druck auf jedeN Einzelnen erhöht, die Wohnungskosten steigen, die Löhne stagnieren und prekäre Niedriglohnverhältnisse werden zur Normalität am Arbeitsmarkt. Die Konsequenz: Kein Platz sich gemeinsam solidarisch zu organisieren, aber jede Menge „individueller“ Probleme am Hals.”
(…)

Ein gutes interview mit Soziologen Andrej Holm (Gentrification Blog, siehe link an der Seite)aus der Berliner Zeitung, aus dem der Titel hier übernommen ist, gibt es hier Darin räumt er auch mit dem Irrglauben auf, zugezogene Touristen, Künstler oder Studenten seien eine Ursache für Verdrängung:

Holm: “Im Kern ist Gentrifizierung vor allem eine immobilienwirtschaftliche Inwertsetzung, die Verdrängung zur Folge hat. Wir beobachten das in vielen Stadtteilen, ohne dass dort je eine Galerie aufgemacht oder ein Student gewohnt hätte”

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